Russland – der Nachtrag

Posted by on 22. September 2013

Der Grenzübertritt von Kasachstan nach Russland (über eine Nebenstraße) verlief ohne Probleme.  Die russischen Behörden baten mich, in Novosibirsk bei einer Polizei-Behörde vorzusprechen, um unser Visum für Russland zu klären.  Davit und Wieland haben ein Visum für einen Aufenthalt von 180 Tagen innerhalb eines vorgegebenen Zeitraumes von einem Jahr, ein Aufenthalt darf jedoch nicht drei Monate überschreiten,  die russische Grenze darf beliebig oft überschritten werden.  Diese Regelung war offensichtlich zu kompliziert zu verstehen. Ich ging natürlich nicht zu dieser Behörde, die diese Regelung erklären sollte.

Die Fahrt nach Novosibirsk verlief ohne Highlights, die Straßen sind wie üblich in Grenznähe – auf beiden Seiten der Grenze – im 50 km-Bereich sehr schlecht bis katastrophal.  Die erste Nacht in Russland schliefen wir vor einem privaten Grundstück auf einem schönem Rasen, und zu unserer angenehmen Überraschung erhielten wir von der Familie dieses Grundstückes eine Einladung zum Teetrinken und anschließend zur Banja (russ. Sauna).  In Russland hat fast jede Familie ihre eigene Sauna.  Galja und ich spazierten nach dem Tee im Adamskostüm in die Banja, wir warteten auf unsere Gäste, die aber nicht kamen. Nach einer halben Stunde verließen wir die Banja und wurden ‚belehrt‘, dass die Benutzung mit Freunden und Bekannten strikt getrennt erfolgt. Wieder eine Erfahrung mehr… Zum Abschied am nächsten Morgen erhielten wir Milch und Butter mit auf die Reise. Ein vielversprechender Beginn unseres zweiten Russlandaufenthaltes…

Auf der Fahrt nach Novosibirsk fielen uns die vielen großen Felder auf. Wir übernachteten neben einem Feld an einem angrenzenden Wald, so konnten wir von einer vielbefahrenen Straße nicht gesehen werden. In solchen Fällen lassen wir den Rollstuhl und auch andere Gegenstände, wie zusammengeklappter Tisch, Campingstühle neben dem Auto stehen, und ausgerechnet in dieser Nacht gab es ein Gewitter mit starkem Regen.  In einer Eilaktion haben wir alle Gegenstände ins Auto gepackt und konnten den Schlaf im Regen fortsetzen.

Novosibirsk.  Es ist eine Stadt, wie alle großen Städte in der Welt, moderne Bürohochhäuser, es gibt alles zu kaufen. Wir kauften für unsere Kamera ein Teleobjektiv, was uns später schöne Tierbilder bescherte. In den Städten bietet sich auch die Möglichkeit an, Wäsche in Waschsalons zu waschen.  Auch haben wir wieder ein paar Kleinigkeiten am Auto reparieren lassen, von größeren Problemen am Auto sind wir bisher verschont geblieben. Novosibirsk war für uns der Start in ein großes weites und unbekanntes Land Sibirien, worauf ich mich schon lange gefreut habe. Man hat ja so gewisse Vorstellungen, ob sich diese auch erfüllen, wird sich zeigen….  Gleich am Stadtrand von Novosibirsk erwartete uns ein km-Schild nach Irkutsk am Baikalsee: 1.800 km!  …und das ist nur der erste Teil unserer Fahrt durch ganz Sibirien, bis nach Wladiwostok.   Gleich nach Novosibirsk vielen uns die vielen verbrannten Wälder auf, wir fuhren hunderte von km durch verbrannte Wälder. Wir können uns noch erinnern an die TV-Berichterstattungen des vergangenen Jahres, wo die sibirischen Wälder wochenlang brannten, die Rauchschwaden reichten sogar bis nach Moskau.  Wir fuhren teilweise durch Wälder, wo wir Rauchschwaden sahen, es handelte sich dabei um Feuer, die in diesem Jahr ausbrachen.  Das Feuerwehrsystem in Russland ist sehr veraltet und in keiner Weise vergleichbar mit den Systemen in Westeuropa oder USA. Die Feuerwehrfahrzeuge sind total veraltet und entsprechen nicht dem neuesten technischen Stand.

Nach mehreren Übernachtungen am Straßenrand –  LKW-Parkplätze, Tankstellen,  abgeschlossene und bewachte Firmenparkplätze – erreichten wir Irkutsk. Ich war einmal im Winter in Irkutsk und am Baikalsee, ich konnte die Stadt kaum mehr erkennen, so positiv hat die Stadt sich herausgeputzt.  Wir übernachteten drei Nächte in einem Hostel, naja, wahrscheinlich war es das letzte Hostel, wo wir übernachteten, ist eher was für fast mittellose Rucksacktouristen….. In Irkutsk  war die erst größere Reparatur unseres Auto fällig, die vordere doppelte Schwingfeder war auf beiden Seiten gebrochen. So, was tun? Ich telefonierte nach Deutschland und erkundigte mich nach einem Ersatzteil. Die Firma, die das Auto auf Vierradantrieb umbaute, versicherte mir, daß sie die einzige Firma ist, die die Federn bereitstellen kann.  Daraufhin telefonierte ich mit dem ADAC, der einen weltweiten Ersatzteilelieferservice bietet. Russland ist jedoch eine Ausnahme, angeblich funktioniert dieser Service nur, wenn die Teile nach Moskau versandt werden. Grund sind Zoll- und Kommunikationsschwierigkeiten.  Irkutsk ist 4.000 km von Moskau entfernt, d. h. wir müssen uns eine andere Lösung einfallen lassen. Man schlug vor, die Ersatzteile nach Ulan Batoor, Hauptstadt der Mongolei, 1.000 km von Irkutsk entfernt, zu senden. Dies schien die Lösung zu sein.   Die Mongolei war zwar nicht auf unserem Reiseplan, wir hatten auch kein Visum für einen Besuch dieses Landes. In der Zwischenzeit informierte uns die Werkstatt – übrigens ein ehemaliger Mercedes-Händler – dass das Auto in zwei Tagen abgeholt werden kann. In der Nachbarschaft der Werkstatt befindet sich ein Schmied, der innerhalb von einem Tag zwei neue Schwingfedern fertigte.  Die Russen sind einfach die Weltmeister im Improvisieren!  Trotzdem hielt ich an dem Plan fest, die „Original“-Federn nach Ulan Batoor einfliegen zu lassen. Mit einem Leihauto fuhren wir in der Zwischenzeit zum Baikalsee und verbrachten dort zwei Tage. Der Baikalsee ist ja bekanntlich der tiefste Binnensee der Welt, mit 1600 m Tiefe.  Das Wasser ist glasklar und bekannt für den wohlschmeckenden Omul-Fisch.  Wir übernachteten in einem kleinen Ferienhaus und trafen auf dem Parkplatz dieser Anlage zwei deutsche Ehepartner, die auch unterwegs waren mit dem Ziel Vladivostok.

Zurück nach Irkutsk,  Leihwagen abgeben, Sprinter mit geschmiedeten Federn abholen und Weiterfahrt nach Ulan Ute, wo wir die Visa für Wieland und Davit im mongolischen Konsulat beantragen wollen. Diese Prozedur hat auch gut geklappt. Um 9h morgens Visa beantragt, am späten Nachmittag um 5h haben wir die Visa abgeholt. Galja brauchte als Ukrainerin bisher für alle besuchten Länder kein Visum.  Personen aller Länder der ehemaligen UdSSR unter sich können heute all diese Länder visumfrei besuchen. An dieses Abkommen hat sich die Mongolei angeschlossen.

Bei schönem Wetter, guten Straßen und schöner Landschaft fuhren wir Richtung Süden zur russisch/mongolischen Grenze. Wir kamen dort um ca 6h abends an und standen vor einem gesperrten Grenzübergang. Dort erfuhren wir, dass die Grenze nur von  8h früh bis 5h nachmittags geöffnet ist. Wir suchten uns einen Schlafplatz neben einer Kirche nähe der Grenze, wo schon zwei große MAN-Fahrzeuge mit deutschen Kennzeichen parkten und am nächsten Tag die Grenze in die Mongolei überqueren wollten.

Tschüß Russland…..

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